Zum Werk


Kein zweites Werk hat den Namen und Komponisten Joseph Haydn (geb. 31. März 1732 in Rohrau a. d. Leitha; gest. 31. Mai 1809 in Wien) so in die Weite getragen wie seine „Schöpfung“, kein anderes Werk bringt auch den inneren Reichtum des Meisters, die Größe seiner Kunst so voll, ihren Grundzug einfachster Natürlichkeit so stark und scharf zum Ausdruck wie dieses Oratorium. Dieses Werk geht nicht bloß nach allen Richtungen über das gewöhnliche Ideengebiet Haydnscher Instrumentalmusik hinaus, sondern es führte den Komponisten auch auf ganz neue Wege musikalischer Gedankenentwicklung und Architektur. Die Musik entfaltet eine durch Anschauungskraft und Frische unübertreffliche Erfindungskraft. (Hermann Kretzschmar)


Der Gesamtaufbau umfasst in den Teilen eins und zwei das Sechstagewerk. Innerhalb jedes einzelnen Tages herrscht eine klare Struktur: biblische Erzählung – poetscher Kommentar – und (bisweilen nach rezitatvischer Ankündigung) panegyrischer Chorabschluss. Der erste Teil enthält vier Szenen und schließt mit dem Lobgesang – „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ – in den die Solisten (Uriel, Gabriel und Raphael) und der Chor gemeinsam einstimmen. Zwei umfangreichere Szenen beherrschen den zweiten Teil; sie sind jeweils unterteilt in die Schilderung einerseits der Tiere des Wassers und der Luft, andererseits der Bewohner der Erde, Tier und Mensch. Der dritte Teil lässt Adam und Eva Gott danken und ihre gegenseitige Liebe versichern. Ein großer Dankchor beschließt das Werk und belegt damit, dass die Erschaffung der Menschen den kosmogenen Höhepunkt darstellt. (Aus: Gottfried Scholz „Haydns Oratorien“)


Auszug eines Briefes zur ersten öffentlichen Aufführung des „Eipeldauer“ an seinen Herrn Veter zu Kagran: Die Tag, Herr Veter, haben wir z’ Wien ein Spektakel ghabt,… da hat der berühmte Haydn die Erschaffung der Welt in der Musik aufgeführt. … Aber Herr Veter, ich wird auch in mein Leben kein so schöne Musik mehr hören: und wenn ich noch drey Stund länger hät sitzen solln. … Da hat bloß d’Musik den Donner und den Blitz ausdruckt, und da hat der Herr Veter ´s Wasser rauschen g’hört, und da haben d’Vögel wirklich gsungen, und der Löwe hat brüllt, und ma hat g’hört wie die Würmer auf der Erden fortkriechen. Kurz, ich bin noch nie so vergnügt ausn Theater fortgangen.


Die Gliederung


Erster Teil
01 Die Vorstellung des Chaos
02 Rezitativ und Chor „Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde“, „Und der Geist Gottes“
03 Arie und Chor „Nun schwanden von dem heiligen Strahle“, „Verzweiflung, Wut und Schrecken“
04 Rezitativ „Und Gott machte das Firmament“
05 Solo mit Chor „Mit Staunen sieht das Wunderwerk“
06 Rezitativ „Und es sammle sich Wasser“
07 Arie „Rollend in schäumenden Wellen“
08 Rezitativ „Es bringe die Erde Gras hervor“
09 Arie „Nun beut die Flur“
10 Rezitativ „Und die himmlischen Heerscharen“
11 Chor „Stimmt an die Saiten“
12 Rezitativ „Es sei’n Lichter an der Feste des Himmels“
13 Rezitativ „In vollem Glanze“
14 Terzett und Chor „Die Himmel erzählen“


Zweiter Teil
15 Rezitaitv „Es bringe das Wasser“
16 Arie „Auf starken Fittichen“
17 Rezitativ „Und Gott schuf große Walfische“
18 Rezitativ “Und die Engel“
19 Terzett und Chor „In holder Anmut“
20 Rezitativ „Es bringe die Erde“
21 Rezitativ „Gleich öffnet sich der Erde Schoß“
22 Arie „Nun scheint in vollem Glanze“
23 Rezitaitv „Und Gott schuf den Menschen“
24 Arie „Mit Würd‘ und Hoheit angetan“
25 Rezitativ „Und Gott sah jedes Ding“
26 Chor und Terzett „Vollendet ist das große Werk“


Dritter Teil
28 Duett mit Chor „Von deiner Güt‘, o Herr“
29 Rezitativ „Nun ist die erste Pflicht erfüllt“
30 Duett „Holde Gattin, dir zur Seite“
31 Rezitativ „O glücklich Paar“
32 Chor „Singt dem Herren alle Stimmen“